Zwischen Klimakrise und Kreislaufwirtschaft

Die Klimakrise hat die Wälder mit Hitze, Dürren, Stürmen und Insekten vor große Herausforderungen gestellt. Das belegt auch der aktuelle „Kennzahlenbericht 2021 Forst & Holz“. Wie die Gegenüberstellung der Jahre 2017 und 2019 im Bericht zeigt, gab es teilweise gravierende Veränderungen.

Der Anteil von Kalamitätsholz am Gesamtholzeinschlag hat sich verdreifacht, ebenso wie die Nadelrohholzausfuhren, berichtet das Thünen-Institut. Die große Menge an Kalamitätsholz, das schnell geerntet und verarbeitet werden musste, hat unter anderem dazu geführt, dass die Holzproduktespeicherwirkung anstieg, während die Waldspeicherwirkung gesunken ist.

Nach wie vor besteht jedoch weiteres Potenzial bei der Steigerung der Speicherwirkung von Kohlenstoff in Holzprodukten, insbesondere durch einen mehrfachen stofflichen Einsatz im Sinne der Kreislaufwirtschaft.

Kreislaufwirtschaft
Holz und Holzprodukte sollen länger als bisher genutzt und effizient wiederverwertet werden im Sinne der Kreislaufwirtschaft.

Die Klimakrise und der große Druck auf natürliche Ressourcen stellen den Cluster Forst & Holz kontinuierlich vor Herausforderungen“, so Dr.-Ing. Andreas Schütte, Geschäftsführer der Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e. V. (FNR). „Mit dem Dialogprozess der Charta für Holz 2.0 bietet das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft Akteuren aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft eine Plattform, um diese Herausforderungen anzugehen und gemeinsam Lösungsansätze zu entwickeln“, betont Schütte.

Der „Kennzahlenbericht 2021 Forst & Holz“ ist Bestandteil der durch das Thünen-Institut durchgeführten Evaluation der Charta für Holz 2.0. Anhand von 15 definierten Kennzahlen werden Trends und Entwicklungen im Cluster Forst & Holz dargestellt. So können Wechselwirkungen erkannt und der Handlungsbedarf im Charta-Dialogprozess fortlaufend angepasst werden.

Klimaschutz
Der Wald sorgt durch die Photosynthese für die Entstehung von Holz und dient als CO2-Speicher und Kohlenstoffsenke dem Klimaschutz. Foto Holzbauwelt.de

Der Kennzahlenbericht steht zum Download (https://www.charta-fuer-holz.de/fileadmin/charta-fuer-holz/dateien/service/mediathek/Web_Kennzahlenbericht_2021.pdf) auf der Webseite der Charta für Holz zur Verfügung. Auch die Grafiken (https://www.charta-fuer-holz.de/charta-service/grafiken-uebersicht) sind dort online abrufbar. Die Print-Broschüre ist über die Mediathek der FNR beziehbar: https://mediathek.fnr.de/charta-fur-holz-2-0-kennzahlenbericht-2021-forst-holz.html.

Hintergrund:
Die Charta für Holz 2.0 bildet den Rahmen für einen umfangreichen Dialogprozess, der den verstärkten Einsatz von Holz aus nachhaltiger Forstwirtschaft als Beitrag zum Klimaschutz, zur Ressourcenschonung und der Stärkung der ländlichen Räume thematisiert.

Die FNR ist als Projektträger des BMEL für das Förderprogramm Nachwachsende Rohstoffe (FPNR) und für den von BMEL und BMU gemeinsam getragenen Waldklimafonds (WKF) aktiv. Sie unterstützt außerdem das BMEL bei der Organisation und Durchführung aller Aktivitäten im Rahmen der Charta für Holz 2.0.

Wie kann die Holzbauquote beim Bauen erhöht werden?

Eine weitere Möglichkeit, die Holzbauquote zu steigern, ohne auf zusätzliche Importe oder Aufforstungen größerer Art angewiesen zu sein, besteht in der Substitution von derzeit für konstruktive Holzbauprodukte hauptsächlich eingesetztem Nadelholz durch Laubholz.

Mit Ausnahme von reinem Vollholz, für welches gerade, lange, gut trocknungsgeeignete Stammanteile benötigt werden, und von Nagelplattenbindern wird ein Einsatz von Laubholz bei jeder Holzbauweise in naher oder fernerer Zukunft für gut möglich gehalten. Zur Zeit stehen einem verstärkten Laubholzeinsatz noch teilweise fehlende baurechtliche Regelungen (wie beispielsweise Normen oder Zulassungen), teilweise anzupassende Technologie (wie beispielsweise Verklebungen oder für die in der Regel größeren Stammdurchmesser nicht immer geeignete Sägeanlagen) sowie vor allem der höhere Preis und das niedrigere Angebot entgegen.

Letztere sind einerseits durch das langsamere Wachstum begründet, nicht zuletzt jedoch auch durch die vorgenannten Punkte der rechtlichen Regelungen und der Technologieanpassungen, deren Kosten auf die Holzbau- bzw. Holzwerkstoffpreise aufgeschlagen werden. Für eine genauere Kostenuntersuchung besteht weiterer Forschungsbedarf, der sich auch auf mögliche Anreizbildungen für einen verstärkten Laubholzeinsatz ausdehnen könnte.

Steigerung Holzbauquote
Eine Steigerung der Holzbauquote ist sowohl beim neubau wie auch in der Gebäudesanierung möglich. Foto: holzbauwelt.de

Ökologischer Mehrwert durch Erhöhung der Holzbauquote?

Grundsätzlich zeigt sich, dass zur übergeordneten Frage, wie hoch der ökologische Mehrwert der Holzbauweise in Deutschland insgesamt ist, wie sich dieser erhöhen lässt und wie sich die ökonomischen Randbedingungen darstellen, zunächst die einzelnen Teilaspekte eindeutiger zu klären und anschließend zu verknüpfen sind. Dazu gehört zusammengefasst vor allem:

  • Ein einheitlicher Konsens bezüglich der Bewertung des Holzes am Ende seiner Lebensdauer bzw. der Kaskadennutzung innerhalb der Ökobilanz
  • Aussagen zum Potenzial der Holzbausteigerungsrate bei unterschiedlichen Waldnutzungsvarianten und Auswirkungen auf den Flächenbedarf
  • Analyse von Holzverwendung in verschiedenen Wirtschaftssektoren
  • Potenziale alternativer Bauweisen im Neubaubereich
  • Entwicklungspotenziale der Verwendungswege von Holz, insbesondere Konkurrenz zwischen energetischer und stofflicher
  • Integrale Sichtweise: Lebenszyklusbetrachtung unter Einbezug der Akteure entlang der Wertschöpfungskette
  • Erweiterte statistische Datengrundlage in Bezug auf unterschiedliche Laub- und Nadelwald-Holzarten sowie Information über zertifizierten Flächenanteil für Deutschland sowie mit dem Außenhandel den EU-Ländern.

Erst dann kann sich der potenzielle Beitrag der Holzbauweise bei unterschiedlichen örtlichen, nutzungsspezifischen und baulichen Rahmenbedingungen zur Gesamtbilanz des Klima- und Umweltschutzes in Deutschland unter realistischen Szenarien bemessen lassen.

Die Charta für Holz 2.0 zielt darauf ab, mehr Holz aus nachhaltiger Forstwirtschaft zu verwenden – zugunsten von Klimaschutz, Arbeitsplätzen und Wertschöpfung im ländlichen Raum sowie zur Schonung endlicher Ressourcen.

Quelle: Studie des Umweltbundesamtes von 2020

Umfrage zur Verfügbarkeit von Holz

Mit einer Umfrage hat der Deutsche Säge- und Holzindustrie Bundesverband e.V. (DeSH) seine Mitgliedsbetriebe über die aktuellen und zu erwartenden Auswirkungen des Krieges in der Ukraine auf die Verfügbarkeit von Holz, Logistik, Strompreise und die Entwicklung der Bautätigkeit befragt. Die Ergebnisse zeigen, dass die Branche vor allem von den steigenden Kosten für Energie und fehlenden Transportkapazitäten betroffen ist, aufgrund der effizienten Verarbeitung des regionalen Rohstoffs Holz aber zuverlässig Produkte für den heimischen Markt bereitstellen kann.

Der Krieg Russlands gegen die Ukraine und die wirtschaftlichen Sanktionen haben zunehmend Auswirkungen auf die deutsche Wirtschaft. Die aktuelle Umfrage des DeSH unter seinen Mitgliedsbetrieben zeigt, dass die Säge- und Holzindustrie ihre Produktion von Holzprodukten auf Basis heimischer Ressourcen weitgehend aufrechterhalten kann, sich die gestiegenen Kosten für Energie und fehlende Transportkapazitäten aber auch hier deutlicher bemerkbar machen. „Die Säge-und Holzindustrie verarbeitet ihr Holz aus regionalen Quellen in direktem Umfeld zum jeweiligen Standort. Diese Unabhängigkeit von Importen und langen Transportwegen nimmt in dieser Situation für Klimaschutz und heimische Wertschöpfung eine Schlüsselrolle ein. Denn über die Verfügbarkeit und Verwendung von Holz wird hier vor Ort entschieden“, erklärt DeSH-Hauptgeschäftsführer Lars Schmidt. „Das ist für die Politik Privileg und Verantwortung zugleich. Denn um diese Möglichkeit zu erhalten, ist die aktive Verwendung von Laub- und Nadelholz aus heimischen Wäldern die Grundlage.“

Verfügbarkeit Holz
Die Verfügbarkeit der Ressource Holz ist entscheidend für das klimaneutrale Bauen mit holz. Foto: Holzbauwelt.de

Auswirkungen bei Energie und Logistik

„Trotzdem beeinflussen die weitreichenden Logistikengpässe auch die Säge- und Holzindustrie. Insbesondere der Mangel an LKW-Fahrern, steigende Frachtraten und fehlende Kapazitäten betreffen mehr als 40 Prozent der befragten Unternehmen. Gleichzeitig sind auch die Energiepreise stark gestiegen. Über die Hälfte der befragten Unternehmen gibt an, dass die Kosten für Strom um über 20 Prozent zugelegt haben. „Das trifft natürlich die gesamte Industrie und hat bei der Produktion von energieintensiven Materialien, wie Glas oder Stahl unmittelbare Auswirkungen“, so Schmidt weiter. „Während neben steigenden Produktionskosten die Verfügbarkeit baunaher Produkte, wie Stahl, zurzeit für Unsicherheit sorgt, zeigt sich der Markt für Bauholz aus Deutschland dagegen weitgehend robust.“

Holz schafft Unabhängigkeit und Sicherheit

Auswirkungen auf die Bautätigkeit werden auch von den Befragten erwartet. So wird in Deutschland mit einem Rückgang um rund 15 Prozent gerechnet. Neben unsicheren Rahmenbedingungen sind die fehlende Verfügbarkeit von Vorprodukten, Maschinen, Rohren und Fachkräften entscheidend. Vor diesem Hintergrund schaffen heimische Ressourcen Sicherheit: „Die Säge- und Holzindustrie ist verlässlicher Partner der Bauwirtschaft und Holz ein zukunftsweisendes Material. Seine Bereitstellung durch aktive Waldbewirtschaftung, die Verarbeitung in regionalen Wertschöpfungsketten und der Einsatz im Bauwesen zeigen, dass die Unabhängigkeit und Nachhaltigkeit unserer Wirtschaft auch in Krisenzeiten sichergestellt werden kann“, betont Schmidt abschließend.

 

Kompaktkurs: Schnittholzsortierung nach DIN 4074-1

Die visuelle Schnittholzsortierung in der Holzindustrie ist besonders wichtig, da in Deutschland die Nachfrage nach Holz für bauliche Zwecke immer größer wird. Um einen Einsatz des Holzes für tragende Zwecke zu gewährleisten, ist die visuelle Sortierung des getrockneten Schnittholzes nach DIN 4074-1 notwendig. Hierzu bedarf es geschulter Personen in einem Betrieb.

Der Kompaktkurs des Fraunhofer Instituts vermittelt die wesentlichen theoretischen und praktischen Grundlagen für die visuelle Schnittholzsortierung und wird in Deutschland offiziell von den akkreditierten Stellen anerkannt. Theorie- und Praxisinhalte sind eng aufeinander abgestimmt. Die praktischen Übungen finden in den Laboren des Fraunhofer WKI statt.

Schnittholzsortierung
Kompaktkurs zur Schnittholzsortierung nach DIN 4074-1 vom Fraunhofer Institut: Bild: Fraunhofer WKI

Schulungsinhalte:

  • Holzphysik und Besonderheiten von Holz.
  • Gesetzeslage für visuell sortiertes Schnittholz.
  • Holztrocknung.
  • Sortierung (Theorie und Praxis).

Zielgruppe:

  • Technische Leitung und Fachkräfte.

Branchen:

  • Holzindustrie, insbesondere stationäre und mobile Sägewerke.

Veranstaltungsort:

Fraunhofer-Institut für Holzforschung
– Wilhelm-Klauditz-Institut WKI –
Bienroder Weg 54 E
38108 Braunschweig

Bei Bedarf kann das Seminar alternativ online durchgeführt werden. Die Praxisinhalte werden dann anhand von Beispielen erläutert.

Abschluss: Die Prüf-, Überwachungs- und Zertifizierungsstelle (PÜZ) des Fraunhofer WKI erkennt diese Schulung im Rahmen ihrer Fremdüberwachung und Zertifizierung für Produkte nach DIN EN 14081 an. Außerdem wird diese Schulung im Schwerpunktkurs »Kleben im Holzbau« des Fraunhofer WKI anerkannt.

Dauer: 1 Tag (mit Teilnahmebestätigung).

Sprache: Deutsch.

Teilnehmerzahl: Mindestens 5 Personen, max. 15 Personen.

Nächster Kompaktkurs am 20. April 2022 / Weitere Termine in 2022 auf Anfrage bei der WKI Akademie des Franhofer Institutes!

Schulungsgebühr: 500 Euro pro Person (exkl. MwSt.). Enthalten sind Mittagessen und Getränke sowie Kursunterlagen.

Die WKI | AKADEMIE® ist die Weiterbildungseinrichtung des Fraunhofer WKI. Sie bietet Schwerpunktkurse und Kompaktkurse für Mitarbeitende der holzver- und -bearbeitenden Industrie sowie Studierende des Bauingenieurwesens. Daneben umfasst das Portfolio On-Demand-Schulungen zu »Formaldehyd-Prüfmethoden« und gezielten Fragestellungen aus der Industrie.

Durch stete Weiterentwicklung ihrer Kurse und die ausgewogene Gliederung in Theorie- und Praxiseinheiten spricht die WKI | AKADEMIE® einen breiten Teilnehmer- und Interessentenkreis aus der Holzwerkstoff- und Fertighausindustrie sowie aus Holzleimbau- und Sanierungsbetrieben an. Sie schafft damit nicht zuletzt auch eine Grundlage zum fachlichen und interdisziplinären Austausch zwischen allen Beteiligten.

Die Anmeldung erfolgt direkt über die Fraunhofer Webseite.

Charta für Holz 2.0 für mehr Holzeinsatz

Die Charta für Holz 2.0 zielt darauf ab, mehr Holz aus nachhaltiger Forstwirtschaft zu verwenden – zugunsten von Klimaschutz, Arbeitsplätzen und Wertschöpfung im ländlichen Raum sowie zur Schonung endlicher Ressourcen. Unter dem Motto „Klima schützen. Werte schaffen. Ressourcen effizient nutzen“. Denn Holz ist Deutschlands bedeutendster nachwachsender Rohstoff, der energieintensive, endliche Materialien und erdölbasierte, fossile Ressourcen ersetzen kann.

Die Charta für Holz 2.0 setzt den Handlungsrahmen, mit denen diese Ziele erreicht werden sollen. Dabei unterstützt sie andere internationale und nationale Strategien in den Politikfeldern Nachhaltigkeit, Klima- und Ressourcenschutz.

Die Veröffentlichung der Charta im April 2017 war der Startschuss eines auf Dauer angelegten Prozesses. Gemeinsam mit verschiedenen Akteuren werden Maßnahmen in den sechs Handlungsfeldern entwickelt und umgesetzt. Das BMEL hat dafür eine Steuerungsgruppe und mehrere Arbeitsgruppen eingesetzt. Über bewährte Dialogprozesse wie Fachgespräche, Workshops, Plattformen und Tagungen werden unterschiedlichste Gruppen und Interessenten beteiligt.

Charta für Holz 2.0
Die Charta für Holz 2.0 ist eine Initiative für die gezielte Entwicklung von Wald und Holz.

Die Handlungsfelder der Charta für Holz 2.0

Die Charta benennt sechs Handlungsfelder:

  • Bauen mit Holz in Stadt und Land: Klimafreundliches Bauen mit Holz bietet Potenziale bei knappem Wohnraum durch kurze Bauzeiten, geringes Gewicht bei hoher Tragfähigkeit und Flexibilität
  • Potenziale von Holz in der Bioökonomie: Neue Produkte aus Holz; Wertschöpfung insbesondere bei der Verwendung von Laubholz erhöhen
  • Material- und Energieeffizienz: Herstellungsprozesse und Produkte verbessern, Kreislaufwirtschaft und Kaskadennutzung weiter ausbauen
  • Ressource Wald und Holz: Holzaufkommen nachhaltig steigern, arten- und strukturreiche sowie produktive Wälder weiterhin sicherstellen, Kleinprivatwald stärken
  • Cluster Forst und Holz: Wettbewerbsfähigkeit und Branchenvernetzung verbessern, Transfer zwischen Praxis und Forschung ausbauen.
  • Wald und Holz in der Gesellschaft: Informationsaustausch mit der Öffentlichkeit über positive Effekte der Nutzung und Verwendung von Holz aus nachhaltiger Waldbewirtschaftung
  • Forschung und Entwicklung als Querschnittsthema.
Holzhaus bauen
Die Charta für Holz 2.0 setzt sich für das Bauen mit Holz ein in Stadt und Land. Foto: Holzbauwelt.de

Der Dialog mit den verschiedensten Interessengruppen und den Bürgerinnen und Bürgern ist ein wichtiger Baustein bei der weiteren Umsetzung der Charta für Holz 2.0. Der Klimaschutzplan 2050 der Bundesregierung stellt dazu fest, dass die Erreichung der Klimaschutzziele maßgeblich von einem klimabewussten Verbraucherverhalten abhängt und dass dazu Information und Aufklärung über die nachhaltige Waldbewirtschaftung und intelligente Holzverwendung notwendig sind. Ein Schritt in diese Richtung ist die Einrichtung des „Kompetenz- und Informationszentrums Wald und Holz“, das ab dem 1. Januar 2019 seine Arbeit aufnehmen wird. Durch die Bündelung von Förderprogrammen im Bereich Wald und Holz und den Erfordernissen zur Information und des Wissenstransfers soll die Lücke zwischen Förderung und Forschung und faktenbasierter Kommunikation geschlossen werden.

Wald in Deutschland: gute Ausgangslage für nachhaltige Holznutzung

Deutschland verfügt über die produktivsten sowie arten- und strukturreichsten Wälder in ganz Europa. Der Natur- und vor allem Artenschutz entwickeln sich positiv, wie auch der Indikatorenbericht zur biologischen Vielfalt zeigt. Dies resultiert aus der nachhaltigen und standortgerechten Waldbewirtschaftung und Holzverwendung in Deutschland. So wächst kontinuierlich mehr Holz nach als geerntet wird. Die Waldfläche ist seit der letzten Bundeswaldinventur stabil geblieben beziehungsweise leicht gestiegen. Der Holzvorrat hat mit 336 Kubikmeter pro Hektar mittlerweile Rekordniveau erreicht. Der Wald in Deutschland ist trotz höherem Holzeinschlag vorratsreicher, naturnäher und gemischter als vor zehn Jahren.

Quelle: Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft

 

Hamburg antwortet mit Holzbau-Förderung

Hamburg fördert den Holzbau durch den nachwachsenden Rohstoff Holz. Holzhochhäuser wie das „Roots“ in Hamburg sind nicht nur architektonisch ansprechend: Sie leisten einen Beitrag zum Klimaschutz sind hochmodern und absolut stadttauglich. Das hat schon der Woodcube als mehrgeschossiger Holzbau gezeigt, der anlässlich der Internationalen Bauausstellung 2013 in Wilhelmsburg errichtet worden ist, sowie seit 2017 das benachbarte Studentenwohnheim „Woodie“.

Der Hamburger Senat unterstützt deshalb seit 2017 den Einsatz des nachwachsenden Rohstoffes aus zertifizierter Forstwirtschaft sowohl im Wohnungsbau als auch bei Nichtwohngebäuden mit mehreren Förderprogrammen. Im Bereich der Nichtwohngebäude wurde die Förderung bisher vor allem für Kindergärten, Sportvereine oder Werkstätten in Anspruch genommen. Die Einsatzmöglichkeiten sind jedoch erheblich vielfältiger.

Hamburg sieht noch viele Chancen für den Holzbau in der Stadt

„Holz ist ein leichter Baustoff, deshalb kann man damit zum Beispiel schnell und einfach ein Stockwerk auf vorhandene Gebäude aufsetzen und so in dicht bebauten Städten wie Hamburg neuen Wohnraum schaffen“, sagt Karl Hamann, Referent für das Bauen mit Holz in der Behörde für Umwelt und Energie .

Beim zeitgenössischen Bau zeichnen sich derzeit Engpässe von Sand und Kies ab. Denn Sand und Kies gelten inzwischen als knappe Ressourcen. Auch der Verband Norddeutscher Wohnungsunternehmen (VNW) klagt über massive Steigerungen der Kiespreise. Außerdem ist die Zementproduktion weltweit für rund acht Prozent der Treibhausgas-Emissionen verantwortlich.

 

Holzbau Hamburg
Das Holzhochhaus Roots in Hamburg der Garbe Immobilen-Projekte GmbH hat eine Höhe von 65 Metern mit 18 Etagen. Foto: Störmer Partners

​​​​​​​Umweltsenator Jens Kerstan: „Eine Antwort darauf kann das Bauen mit Holz sein. Der Werkstoff Holz ist bislang in Hamburg noch wenig im Einsatz, hat aber großes Potenzial. Holz ist nachhaltig, klimaneutral und oft auch ganz einfach schön und sorgt obendrein für ein angenehmes Raumklima. Wenn wir in Zukunft mehr auf nachhaltige Baumaterialien setzen, kann uns das dabei helfen, unsere Klimaziele zu erreichen.“

Auch städtebaulich hat der Holzbau Vorteile. Der hohe Vorfertigungsgrad ermöglicht schnelle Bauzeiten, was geringere Kosten und weniger Lärm bedeutet. Holz ist auch eine Chance, Flächen zu schonen und die notwendige Verdichtung der Stadt in der Höhe zu realisieren statt in der Breite, denn es ist leicht und für Aufstockungen ideal geeignet.

Aus all diesen Gründen fördert die Umweltbehörde seit 2017 den Einsatz von Holz in der Gebäudekonstruktion. Das Bauen mit Holz ist in Norddeutschland noch wenig verbreitet. Bisher haben sich überwiegend Spezialisten mit der Planung und dem Bau größerer Holzgebäude beschäftigt. Damit die Holzbauquote in Hamburg gesteigert werden kann, müssen sich aber auch weniger erfahrene Teams an den Baustoff heranwagen.

Hamburg will eine Anlaufstelle „Qualitätssicherung Holzbau“ schaffen

Damit dies gelingt, wird die Holzbauförderung ab sofort durch eine Qualitätssicherung erweitert. Von der Planung bis zur Bauausführung werden die Bauherren dabei hinsichtlich der besonderen Herausforderungen des Holzbaus begleitet. Neben einer Sicherstellung hoher Ausführungsqualität im Sinne der verantwortungsvollen Nutzung öffentlicher Fördermitteln, werden Bauherren, Planende und Ausführende beraten, bewährte Holzbaukonstruktionen umzusetzen. Durch das Mehraugenprinzip wird das Fehlerrisiko verringert und unnötige Kostensteigerungen vermieden.

Mit dem Aufbau einer Geschäftsstelle „Qualitätssicherung Holzbau“ soll in Zukunft auch Bauherren aus dem freien (nicht geförderten) Wohnungsbau eine Anlaufstelle für die begleitende Qualitätssicherung und die Einbindung erfahrener Holzbauexperten zur Verfügung stehen.

Weitere Informationen zur Holzbauförderung sind bei der IFB Hamburg verfügbar. Informationen zum Verfahren sind bei der Geschäftsstelle Qualitätssicherung verfügbar Qualitätssicherung im Holzbau – Holzbau-Netzwerk Nord e.V. (www.holzbau-netzwerk-nord.de)

Die Wertschöpfungskette Forst-Holz und ihr Beitrag zur Bioökonomie

Ausgangspunkt der Bioökonomie stellt die nachhaltige Nutzung nachwachsender Rohstoffe dar. Der Rohstoff Holz zählt auf die Masse bezogen zu den wichtigsten und auch vielseitigsten nachwachsenden Rohstoffen. In 2020 wurden in bayerischen Wäldern 18 Mio. Festmeter Holz geerntet. Davon entfielen 86 % auf Nadelholz und 14 % auf Laubholz.

Die Forst- und Holzwirtschaft trägt mit 42,3 Mrd. € (ohne Papierindustrie) zu knapp einem Viertel zum Gesamtumsatz der Bioökonomie in Deutschland bei. Die Papierindustrie verdoppelt den Beitrag der Forst- und Holzwirtschaft auf 84,5 Mrd. €. Damit ist die Forst- und Holzwirtschaft eine der tragenden Säulen der Bioökonomie in Deutschland. Die Nachfrage nach Holz und Holzprodukten nimmt stetig zu. Neben traditionellen Holzprodukten (z.B. Schnittholz, Holzwerkstoffe, Papier) werden neue holzbasierte Produkte entwickelt (z.B. Plattformchemikalien, Textilien, Energiespeicher).

Wie begehrt Holzprodukte sind, zeigt beispielsweise die seit Jahren steigende Holzbauquote in Bayern. 2020 lag sie bei 23,2 % im Wohnungsbau. So wurde in jüngster Vergangenheit deutlich, wie entscheidend eine zuverlässige Rohstoffbereitstellung und funktionierende Lieferketten in einer biobasierten Wirtschaft sind. Hohe Nachfragespitzen bei bestimmten Holzprodukten führten zu Lieferengpässen und teilweise langen Lieferzeiten. Bis dahin übliche Bestell- und Planungszeiten hatten keine Gültigkeit mehr. So zeigte der Sommer 2021, wie essenziell zuverlässige Versorgungsstrukturen, langfristige Versorgungsstrategien und stabile Rahmenbedingungen für verarbeitende Betriebe und Handel entlang der gesamten Wertschöpfungskette sind.

Bioökonomie
Bioökonomie – der Wachstumstrend für holzbasierte Materialien setzt sich fort

Verfügbarkeit und Nutzung des Rohstoffes Holz sicherstellen

Die holzbasierte Bioökonomie ist auf die Verfügbarkeit und die Nutzung des Rohstoffs Holz angewiesen. Entscheidend für die Sicherstellung der Rohstoffverfügbarkeit ist der Erhalt und die Pflege der heimischen Wälder zur forstlichen Rohstoffproduktion. Dies bedeutet, die vielseitigen Nutzungsmöglichkeiten im Einklang mit den Ökosystemdienstleistungen des Waldes voranzutreiben – entsprechend des Leitmotivs der nachhaltigen Waldbewirtschaftung in Bayern „Schützen durch Nutzen“.

Ob und wann Holz der Nutzung zugeführt wird entscheiden die Waldbesitzer*innen. Wann geerntet wird und an wen verkauft wird, ist vor allem bei Privatwaldbesitzern eine individuelle Entscheidung, die von wirtschaftlichen Entscheidungen, demographischen Faktoren und zeitlichen Kapazitäten abhängt. Insbesondere im Privatwald besteht ein erhebliches Erschließungspotenzial, das durch gezielte Motivation der Waldbesitzer*innen freigesetzt werden kann und so möglichen Versorgungsengpässen entgegenwirkt. Hier bedarf es der Zusammenarbeit innerhalb der Wertschöpfungskette auf Augenhöhe mit Inwertsetzung der Rohstoffproduktion.

Bioökonomie
Zukunft der Bioökonomie in Bayern durch nachhaltige Waldbewirtschaftung

Handlungsempfehlungen des Sachverständigenrat Bioökonomie Bayern, um die Transformation hin zu biobasiertem Wirtschaften effizient und effektiv zu unterstützen:

  • Sicherung der Ökosystemleistungen des Waldes bei nachhaltiger Bewirtschaftung
  • Steigerung der Motivation zur privaten Waldbewirtschaftung
  • Förderung alternativer Baumarten
  • Erschließung von Holzressourcen
  • Stärkung vorhandener und Aufbau regionaler Versorgungsnetzwerke
  • Anpassung der rechtlichen Rahmenbedingungen zur Förderung der Holznutzung
  • Stärkung von Forschung, Entwicklung und Innovation

Das vollständige Papier zur Wertschöpfungskette Forst-Holz und ihr Beitrag zur Bioökonomie finden Sie hier.

Der Wald als klimafreundliche Fabrik produziert den Rohstoff Holz

Holz gilt als klimaneutraler und nachwachsender Rohstoff und erlebt gerade eine Renaissance als Baumaterial. Der Rohstoff Holz ist in aller Munde. Vom Kohlenstoffspeicher ist die Rede und von Materialsubstitution. Lange Zeit führte der Baustoff Holz eher ein Nischendasein im Gegensatz zu Beton, Zement und Ziegel.

Im Zuge der Diskussion um die Klimakrise und um endliche organische Ressourcen und deren aufwändige Aufbereitung zu Baumaterialien geriet der nachwachsende Rohstoff Holz immer mehr in den Fokus der Öffentlichkeit. Auch die Bauindustrie entdeckte das Bauen mit Holz neu für sich. Heute entstehen Holzhybridgebäude als Wohngebäude, Schulen entstehen in serieller Holzmodulbauweise und Hochhäuser werden ebenfalls mit Holz und neuen Holzwerkstoffen gebaut.

Wie entsteht eigentlich der Rohstoff Holz?

Bäume atmen – wie alle grünen Pflanzen – über unzählige kleine Poren in ihren Blättern oder Nadeln Luft ein. Deren CO2-Anteil wird chemisch auf-geknackt. Der Kohlenstoff (C) landet zusammen mit Wassermolekülen als Zellulose im Gewebe, und den Sauerstoff (O2) atmet die Pflanze wieder aus. Das nennt man dann ‚Photosynthese‘. Sie funktioniert nicht von selbst, sondern braucht Energie. Diese fischen sich die Pflanzen hocheffizient mit Hilfe ihrer Chlorophyllmoleküle aus dem Sonnenlicht heraus. Schön für uns, denn ohne diese Reaktion gäbe es kein höheres Leben auf unserem Planeten. Grüne Pflanzen sind unsere erste und wichtigste chemische Fabrik. Sie speichern Sonnenenergie in Form von Kohlenstoff. Bäume verbinden die Kohlenstoffatome zu einem raffinierten Stützgewebe wie Dr. Ulrich Sauter in seinem Buch „Generationenvertrag Wald“ es treffend beschreibt.

Rohstoff Holz
Der Stoffkreislauf des Rohstoffes Holz wird durch die Photosynthese inszeniert.

Der Rohstoff Holz wird in der schönsten und umweltfreundlichsten Fabrik der Welt produziert: dem Wald. Und das zu hundert Prozent mit Sonnenenergie, ohne Einsatz fossiler Energieträger, ganz natürlich. Es fällt 0,0 Abfall an. Was sich der Mensch mühsam erarbeiten muss, ist für die Natur selbstverständlich: Kreislaufwirtschaft. Es gibt keinen anderen Werkstoff, der ausschließlich mit Hilfe von Sonnenenergie entsteht. Statt Schadstoffen wird dabei Sauerstoff freigesetzt. Außerdem: Holz nimmt CO2 auf, speichert Kohlenstoff, deshalb eignet sich Holz zum klimaneutralen Holzhaus bauen.

Um neue Zellen bilden zu können, benötigen Bäume Kohlenhydrate, welche die Blätter oder Nadeln per Photosynthese mit Hilfe des in der Luft vorhandenen Kohlendioxids (CO2) produzieren. Ein internationales Forscherteam um Roman Zweifel von der „Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft“ (WSL) kam jetzt zu dem überraschen-den Ergebnis, dass Bäume überwiegend in der Nacht wachsen. Der Grund: Nachts ist die Luftfeuchtigkeit höher als tagsüber. „Sobald die Luft trockener wird, verlieren die Bäume vorübergehend mehr Wasser durch Transpiration, als sie über ihre Wurzeln aufnehmen können. Der gesamte Baum gerät unter Spannung, das Stammwasserpotenzial sinkt, und sein Wachstum stoppt, unabhängig von der Verfügbarkeit von Kohlenhydraten.“ Luftfeuchtigkeit ist also für das Baumwachstum der entscheidende Faktor, selbst dann, wenn die Böden relativ feucht sind.

Wie ist der Rohstoff Holz aufgebaut?

Jahresringe

Bäume wachsen vom Kambium aus nach innen, produzieren Jahr für Jahr um das bestehende Holz herum einen neuen Holzring. Frühholz (Frühling) bildet eine helle Schicht, Spätholz (Sommer, Herbst) eine dunklere Schicht. Die beiden Schichten ergeben zusammen einen Jahresring. Das Holz in der Mitte eines Baumstamms ist folglich das älteste Holz.

Rinde / Borke

Aus abgestorbenen Bastzellen entsteht die Außenrinde, die Borke. Sie schützt den Baum vor negativen Umwelteinflüssen wie (zu intensiver) Sonneneinstrahlung, Kälte, Hitze, Pilz- und Insektenbefall. Manche Bäume, zum Beispiel die Buche, entwickeln keine Borke.

Rohstoff Holz
Durch die Photosynthese produziert der Wald den Rohstoff Holz.

Splintholz

Das Kambium bildet nach innen die eigentlichen Holzzellen aus. Daraus entsteht das Splintholz. Im Splintholz verlaufen die Leitungen des Baumes, die den Kronenraum mit Wasser versorgen. Mit der Entstehung neuer Splintholzringe verlieren die bestehenden inneren Ringe ihre Funktion und werden zu Kernholz.

Kernholz

Das Kernholz ist das tragende Element des Baumes, das ihm Stabilität verleiht. Es besteht aus hohlen, nadelartigen Zellulosefasern.

Kambium

Das Kambium, die Wachstumsschicht, eine sehr dünne Zellschicht, ist der eigentlich wachsende Teil des Baumes. Im Kambium findet die Zellteilung statt. Es bildet viele Holzzellen und deutlich weniger Rindenzellen aus.

Bast

Das Kambium bildet nach außen hin Zellen, den Bast. Der Bast, die innere Rinde, versorgt den Baum mit Nährstoffen.

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